

Gedenkseite von Rosa von Praunheim (geb. Holger Radtke)
Deutscher Filmregisseur und LGBTQ-Aktivist
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Biografie
Rosa von Praunheim (* 25. November 1942 in Riga; gestorben am 17. Dezember 2025 in Berlin) war ein deutscher Filmemacher, Autor und Aktivist. Mit mehr als 150 Kurz- und Langfilmen prägte er das deutsche Queer-Kino, die Auseinandersetzung mit HIV/Aids und die öffentliche Debatte über Homosexualität in der Bundesrepublik.
Geburt, Adoption und Künstlername
Rosa von Praunheim kam während der deutschen Besatzung in Riga zur Welt. Nach der Geburt verbrachte er Zeit in einem Waisenhaus und wurde später von einem Ehepaar adoptiert, das mit ihm nach Deutschland kam. Sein bürgerlicher Name war Holger Bernhard Bruno Mischwitzky; über seine Herkunft erfuhr er erst sehr spät genauere Einzelheiten. Den Namen Rosa von Praunheim wählte er als künstlerische Setzung: Rosa verwies auf den rosa Winkel, mit dem homosexuelle Männer in Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden, Praunheim auf einen Frankfurter Stadtteil.
Filme und Öffentlichkeit
Nach frühen Arbeiten im Umfeld von Kunst, Theater und Film wurde Praunheim Anfang der 1970er-Jahre einem größeren Publikum bekannt. Die Bettwurst machte aus Alltagskitsch, Camp und Improvisation ein eigenwilliges Spielfilmformat. Noch folgenreicher wurde Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt. Der WDR-Film wurde am 31. Januar 1972 im Dritten Programm gezeigt und war 1973 bei der bundesweiten ARD-Ausstrahlung so umstritten, dass Bayern sich aus dem Programm ausklinkte.
Queere Öffentlichkeit und Aids-Krise
Praunheims Filme arbeiteten oft mit direkter Rede, Übertreibung, dokumentarischer Beobachtung und bewusster Irritation. Er interessierte sich für Menschen, die in bürgerlichen Bildern von Normalität kaum vorkamen: schwule Männer, trans Personen, Drag-Künstlerinnen und -Künstler, Exzentriker, ältere Menschen, Außenseiterinnen und Außenseiter. In den 1980er- und 1990er-Jahren drehte er auch Filme zur Aids-Krise, engagierte sich im Umfeld von ACT UP und machte Krankheit, Angst, Solidarität und Stigma sichtbar.
Konflikte und die Outing-Debatte von 1991
Praunheims Aktivismus war unbequem und vielfach umstritten. Am 10. Dezember 1991 nannte er in der RTL-Sendung Explosiv - Der heiße Stuhl Alfred Biolek und Hape Kerkeling öffentlich als schwul, ohne deren Einverständnis. Er begründete das später als Versuch, in der Aids-Krise Solidarität von prominenten homosexuellen Männern einzufordern. Die Aktion löste eine breite Debatte über Sichtbarkeit, Einverständnis, Privatsphäre und politische Verantwortung aus und bleibt einer der kontroversesten Punkte seines öffentlichen Wirkens.
Späte Arbeiten und Auszeichnungen
Praunheim blieb bis ins hohe Alter produktiv. Er drehte Porträts, Dokumentarfilme, autobiografische Arbeiten und Filme über Berlin, New York, queere Geschichte und Kunst. 2008 erhielt er den Rosa-Courage-Preis; seit 2009 war er Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Der WDR erinnerte nach seinem Tod auch an spätere Produktionen wie Überleben in New York, New York Memories, Praunheim Memories, Härte und Dreißig Jahre an der Peitsche.
Abschied
Rosa von Praunheim starb am 17. Dezember 2025 im Alter von 83 Jahren in Berlin. Wenige Tage zuvor hatte er seinen langjährigen Partner Oliver Sechting geheiratet. Sein Werk bleibt mit einem Kino verbunden, das Streit nicht scheute und private Lebensformen als Teil öffentlicher Geschichte sichtbar machte.
Lebensstationen
4 EreignisseGeboren in Riga
1942Rosa von Praunheim wird während der deutschen Besatzung in Riga geboren.
WDR-Ausstrahlung eines Schlüsselwerks
1972Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt wird im Dritten Programm des WDR gesendet.
Outing-Debatte im Fernsehen
1991In der RTL-Sendung Explosiv - Der heiße Stuhl löst Praunheim durch öffentliche Outings eine bundesweite Debatte aus.
Gestorben in Berlin
2025Rosa von Praunheim stirbt im Alter von 83 Jahren in Berlin.
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Rosa von Praunheim (geb. Holger Radtke). Für immer unvergessen.